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Grußwort des Ortsbeauftragen zu Weihnachten und zum Jahreswechsel

Liebe Besucherinnen und Besucher von thw-lueneburg.de,

in den vergangenen Tagen und Wochen bin ich oft gefragt worden, ob ich auch in diesem Jahr wieder einen Weihnachtsgruß schreiben werde. Er hat sich offensichtlich inzwischen etabliert und wird von einigen bereits vermisst. Auch für mich ist er tatsächlich eine wichtige Angelegenheit geworden und ich kann loswerden, was mich beschäftigt. Niemand soll an dieser Stelle also enttäuscht werden. Ich muss allerdings zugeben, dass mir in letzter Zeit die Erledigung vieler Aufgaben mal wieder recht schwer fällt. Oft habe ich das Gefühl, dass die Arbeit nie weniger wird und grade meine eigenen Ansprüche lassen mich da oft in die Überlastungsfalle laufen. In diesem Jahr bin ich also sehr spät dran, ich bitte um Nachsicht.

Was kann diesmal der Aufhänger sein, um den sich dieser Weihnachtsgruß drehen wird? Im Grunde genommen hat sich die Situation in unserem Land innerhalb des letzten Jahres doch an vielen Stellen erheblich entspannt. Nicht einmal 200.000 Menschen haben in Deutschland Zuflucht gesucht. Die von der CSU geforderte Obergrenze für Asylsuchende (das „C“ steht bei dieser Partei übrigens für „christlich“) ist somit unterschritten worden. Die Ursachen, die die Menschen dazu veranlassen, ihre Heimat zu verlassen, sind jedoch bisher unverändert vorhanden. Es sind weiterhin weltweit fast 66 Millionen Menschen auf der Flucht. Die wenigsten davon wollen nach Europa, sondern bleiben in den Nachbarstaaten ihrer Heimatländer. Denn sie wollen so schnell wie möglich zurück, wenn die Umstände es zulassen. Ein verständlicher Wunsch. Die EU hat sich inzwischen auch sehr gut abgeschottet, nur noch 152.000 Flüchtlinge sind bisher 2017 über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Etwa 3.000 haben dabei auf diesen Routen ihr Leben verloren. Es gibt auch nur wenige Alternativen für diesen Weg, die ebenfalls gut gesichert sind. Probleme lösen wir damit nicht, wir sehen sie nur einfach nicht mehr so deutlich. Die Lage in den Flüchtlingslagern in der Türkei, in Griechenland und besonders in Libyen ist katastrophal. Aber das alles ist ja weit weg…

Man könnte also annehmen, dass die Situation inzwischen ganz entspannt wäre. Leider ist dem nicht so. Der Ton wird überall rauer, bei vielen Themen ist eine sachliche Diskussion kaum noch möglich, eine gehörige Portion Populismus ist stets dabei. Für mich ist es schockierend, wie viel Hass manche Menschen heute in sich tragen. Auch angesichts des Leides, dass die Berichterstattung in unsere Wohnzimmer schwappen lässt. Das UNICEF-Foto des Jahres 2017 berührt mich z. B. emotional sehr. Es zeigt die fünfjährige Zahra aus Syrien, die in einem Flüchtlingslager in Jordanien lebt. Der Blick, mit dem sie in die Kamera schaut, schnürt mir regelrecht die Kehle zu. Nein! Um ehrlich zu sein, treibt er mir die Tränen in die Augen und lässt mich an der Menschheit zweifeln. Solche und ähnliche Fotos rufen bei einigen meiner Mitmenschen nur hämische Kommentare hervor. Denken wir z. B. an das Bild von Alan Kurdi, dessen Leiche 2015 an der türkischen Küste angespült wurde. Alan war drei Jahre alt und mit seiner Familie vor dem Krieg aus Syrien geflohen. Sie hatte schon die Türkei erreicht und von dort versucht, legal nach Kanada zu gelangen. Hier lebt bereits eine Tante des Jungen. Nachdem dies nicht gelang, versuchte die Familie Griechenland zu erreichen. Dabei kenterte das Boot, Alans Mutter und sein zwei Jahre älterer Bruder verloren dabei ebenfalls ihr Leben. Sein Vater überlebte als einziger der Familie. Was sagt es über uns aus, dass viele die grauenhaften, menschenverachtenden Kommentare nicht erwidert haben? Und wie verroht muss ein Mensch sein, um solche Kommentare zu schreiben oder Zustimmung zu signalisieren?

Eine weitere Herausforderung ist heutzutage, dass viele Menschen kaum noch Interesse an den tatsächlichen Fakten zeigen. Viele haben ihre eigene Realität und manchmal weiß ich nicht, ob die Verbreitung von sogenannten alternativen Fakten nicht sehr bewusst geschieht oder ob diese Menschen tatsächlich daran glauben. Die Kriminalität z. B. ist gegenüber den Vorjahren zurückgegangen. 5,9 Millionen Straftaten wurden 2016 begangen, wenn man Verstöße gegen das Ausländerrecht herausnimmt. Fairerweise sollten wir das tun, denn diese Verstöße haben nichts mit der Sicherheit des Einzelnen zu tun. Im Vorjahr betrug die Zahl der Straftaten noch fast 6,4 Millionen. Im langfristigen Vergleich zurückgegangen sind Sexualstraftaten und Mordfälle. Was leider zunimmt, sind andere Gewaltdelikte und insbesondere die politisch motivierte Gewalt von rechts. Das finde ich sehr erschreckend, vor allem, da sich diese Gewalt fast immer gegen Personen richtet. Hier möchte ich aber nicht falsch verstanden werden: Gewalt kann nie der richtige Weg sein, egal ob gegen Personen oder Sachen. Dies gilt meiner Meinung nach aber auch für das Vorgehen des Staates. Wer behauptet, das Handeln der Polizei beim G20-Gipfel in Hamburg war in jeder Situation untadelig, verkennt, dass auch hier Menschen am Werk sind. Die Bedrohung unserer Staatsordnung scheint mir eher aus der rechten als aus der linken Ecke zu kommen. Schon einmal hat eine Partei die Demokratie mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Hoffen wir, dass uns dies nicht irgendwann einmal wieder bevorsteht. Ein Deutschland, dass sich einige offensichtlich wünschen, halte ich persönlich nicht für erstrebenswert. Sicher gibt es fragwürdige Entwicklungen in unserem Land, aber wer war daran eigentlich Schuld, bevor die Flüchtlinge gekommen sind? Ach ja, es sind natürlich die Altparteien und die linksgrünversifften Gutmenschen. Aber Deutschland erwacht ja grade…

Ich selber habe in meinem Hauptberuf sehr viel mit Menschen zu tun und beobachte insgesamt einen Trend, der mir große Sorgen bereitet. Jeder nimmt für sich in Anspruch, im Mittelpunkt zu stehen, die ganze Welt dreht sich nur um in oder sie. Man hat immer Recht und alles muss so laufen, wie man es selber gerne hätte. Grenzen gibt es keine, man darf alles und der Umgang mit anderen lässt oft genug zu wünschen übrig. Wenn jeder an sich selber denkt, ist eben an alle gedacht. Und ich rede hier in erster Linie von meinen deutschen Mitbürgern, denn mit ihnen mache ich vorrangig meine negativen Erfahrungen. Vielleicht sollten wir es häufiger mal mit einem Wahlspruch des DRK versuchen: „Entdecke das WIR in dir“. Mal an andere denken, in die Schuhe des anderen stellen. Kritik üben schließt das gar nicht aus, es ist nur eine Frage des „Wie“. Und ein Lächeln, ein höflicher Gruß sowie ein Dankeschön kosten nichts außer Überwindung.

Wie gerne tauche ich da doch in die Welt der Hörbücher ab. Zurzeit genieße ich den letzten Band der Cliffton-Saga. Mehr als ein halbes Jahrhundert begleiten wir in diesen sieben Büchern die Familien Cliffton und Barrington. Die Mitglieder dieser Familien zeichnen sich durch Gradlinigkeit, Integrität, Ehrlichkeit, Sozialkompetenz, Verantwortungsbewusstsein und hohe moralische Ansprüche aus. Trotzdem erreichen sie früher oder später immer ihr Ziel. Sie werden belohnt dafür, dass sie gute Menschen sind, auch wenn sie nicht von Schicksalsschlägen verschont bleiben. Ihre Gegner erhalten irgendwann ihre gerechte Strafe. Realitätsfern? Nein, ich glaube nicht. Auch wenn ich die Familien Cliffton und Barrington um ihre Eigenschaften beneide und nicht glaube, dass ich diesen Ansprüchen immer gerecht werden würde, bin ich überzeugt davon, dass dies der besserer Lebensentwurf ist. Jeder, der nur ein bisschen versucht, diese Dinge zu leben, macht die Welt ein Stück besser. Und ich glaube fest daran, dass wir für dieses Verhalten tatsächlich belohnt werden. Jedenfalls erlebe ich immer wieder Momente, in denen ich denke: „Was habe ich da wieder für ein Schwein gehabt?“

Das zurückliegende THW-Jahr war aus meiner Sicht recht unspektakulär. Der Ortsverband Lüneburg hat gewohnt souverän alle gestellten Aufgaben erledigt. Sicher gab es Höhepunkte, wie z. B. die Beteiligung unserer neu aufgestellten Fachgruppe Ortung an einer Übung in Dänemark. Vieles andere ist inzwischen Routine für uns. Doch die Zukunft hält grade für uns als THW-Ortsverband Lüneburg neue Herausforderungen bereit. Im nächsten Jahr wird zuerst die neue Struktur im hauptamtlichen Bereich umgesetzt. Sie gilt ab dem 1. Januar, ist aber in einigen Punkten bereits vorbereitend umgesetzt worden. Das es wesentliche Auswirkungen auf uns im Ehrenamt geben wird, ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Viel wichtiger sind die Entwicklungen, die das Rahmenkonzept (RaKo) mit sich bringen wird. Unser Ortsverband verfügt derzeit über 59 StAN-Stellen. Diese ergeben sich aus der Dislozierung eines Technischen Zuges mit Zugtrupp, Bergung 1, Bergung 2 Typ B, Fachgruppe Elektroversorgung und Fachgruppe Ortung Typ A sowie des Trupps Verpflegung der Fachgruppe Logistik und der Mindestbesetzung des OV-Stabes. Damit bewegen wir uns derzeit im oberen Mittelfeld in unserem Landesverband. Alle Positionen sind besetzt, im Stab zum Teil mehrfach. Bei der Einsatzbefähigung stehen wir mit 110 % an Platz 19 von 78. Sehr gute Werte, zumal alle Gruppen bei uns auch voll einsatzfähig sind. Wir sind ein sehr aktiver Ortsverband, der in Stadt und Landkreis fest verankert ist. Viele im THW beneiden uns um die enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, die Anerkennung, die wir bei Politik und Verwaltung genießen und unsere Präsens in der Öffentlichkeit. Wollen wir dieses Niveau halten, ist weiter harte Arbeit erforderlich. Mein Dank gilt allen, die sich über das normale Maß hinaus engagiert haben. Dabei will ich keine Einzelpersonen oder Gruppen besonders hervorheben, denn nur gemeinsam sind wir stark. Nur durch euch sind diese Erfolge möglich, ich allein wäre niemals so weit gekommen. Ich wünsche mir nur noch, dass war auch insgesamt als Ortsverband noch mehr zusammenwachsen und imaginäre Trennlinien zwischen den Teileinheiten überwunden werden.

Vor einigen Wochen haben wir mit dem Stellvertreter der Landesbeauftragten, Michael Matrian, sowie unserem Geschäftsführer Michael Stelten und dem stellvertretenden Landessprecher Thomas Kolodzi das „RaKo-Gespräch“ für unseren Ortsverband geführt. Wir hatten uns als OV-Führung sorgfältig darauf vorbereitet, beteiligt war außerdem der Helfersprecher. Das uns vorgelegte Konzept entsprach in vollem Umfang unseren Wünschen. Wir werden alle bestehenden Gruppen behalten. Zusätzlich werden wir eine Fachgruppe technisch-logistische Unterstützung mit neun Stellen aufbauen müssen. Wir halten dies durchaus für möglich. Gute Aussichten also für das THW in Lüneburg

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2018. Bleiben Sie uns gewogen und schauen sie auch im nächsten Jahr wieder regelmäßig bei uns vorbei

Herzlichst

Ingo Perkun
Ortsbeauftragter

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